Unser Selbstverständnis

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hier auf englisch: our orientation
hier auf spanisch: Nuestra autognosis

Das folgende Selbstverständnis teilen die Genossinnen und Genossen, die den Klärungsprozess organisieren und entscheidend prägen. Es dient als Voraussetzung, um mitentscheiden zu können. Es dient nicht als Voraussetzung zur Teilnahme an Diskussionen oder Veranstaltungen, die im Rahmen des Klärungsprozesses organisiert werden. Es umreißt die politischen Grundlagen, auf die wir uns geeinigt haben, und dient als Voraussetzung, um im Rahmen des Klärungsprozesses mitbestimmen zu können.

Wir sind Kommunistinnen und Kommunisten aus den verschiedensten Teilen Deutschlands, unsere gemeinsame weltanschauliche Basis ist der Marxismus-Leninismus. Unser Wille, diese gesellschaftlichen Verhältnissen revolutionär zu überwinden, resultiert aus der Einsicht, dass die Zustände, unter denen die Mehrheit der Menschen leidet, ihre Ursache in der kapitalistischen Produktionsweise und ihren gewaltsam eingerichteten Eigentumsverhältnissen haben und nicht auf dem Reformweg zu verändern sind.

Wir stellen fest, dass es in Deutschland heute keine konsequent revolutionäre kommunistische Partei gibt, die in der Lage wäre, Klassenkämpfe anzuführen, die Selbstorganisation der Arbeiterklasse voranzutreiben und ihr damit eine Perspektive zu geben. Einige von uns waren bisher in den bestehenden Organisationen der kommunistischen Bewegung der BRD organisiert, andere waren außerhalb dieser Organisationen politisch aktiv. Nun finden wir uns zusammen, um geplant, systematisch und zielgerichtet den Aufbau der kommunistischen Partei in Deutschland vorzubereiten. Die erfolgreiche Schaffung dieser revolutionären Organisation der Arbeiterklasse kann für uns jedoch nicht sofort erfolgen, sondern nur auf Basis einer Klärung der wichtigsten Fragen der kommunistischen Strategie und Praxis.

Die kommunistische Bewegung ist weltweit in einer tiefen Krise. Ursachen sind die Verbreitung revisionistischer Auffassungen und opportunistischer Konzepte in der Bewegung sowie der Sieg der Konterrevolution 1989/90, der nicht zuletzt auch ein Ergebnis des Revisionismus in der kommunistischen Bewegung ist. Die bestehenden Organisationen haben keine überzeugenden Antworten auf diese Krise zu bieten. Weitgehend versperren sie sich gegen eine kritische Infragestellung alter Konzepte und gegen eine daraus folgende revolutionäre Erneuerung. Versuche, diese Blockade zu durchbrechen, und sei es auch nur schrittweise und langfristig, müssen aus unserer Sicht heute als gescheitert betrachtet werden. Doch auch bisherige Versuche zur Schaffung einer neuen kommunistischen Partei in Deutschland sind gescheitert – auch deshalb, weil ihnen eine wissenschaftliche Analyse über die Ursachen der Krise der Bewegung fehlte und sie deshalb nicht konsequent mit Revisionismus und Opportunismus brechen konnten. Die Geschichte und Erfahrung dieser gescheiterten Versuche gilt es wissenschaftlich aufzuarbeiten. Des Weiteren besteht für uns u.A. dringender Klärungsbedarf in der aktuellen Imperialismusanalyse, in der Frage nach Klassenlage und Bewusstseinsstand, sowie der Frage nach der Rolle der Gewerkschaften und unserem Verhältnis zu ihnen. Diese und andere Problematiken sollen im Klärungsprozess zur Diskussion gestellt werden. Die Diskussion soll aber keinen rein theoretischen Charakter haben, sondern ist darauf ausgerichtet, auch die praktischen Voraussetzungen für den Aufbau der kommunistischen Partei zu schaffen.

Der Klärungsprozess steht allen offen, die unsere Ziele teilen. Auch Genossinnen und Genossen, die weiterhin Mitglieder bestehender Organisationen sind, können sich an dem Prozess beteiligen. Doch unsere Offenheit kennt auch Grenzen, die sich aus Grund und Charakter des Prozesses ergeben. Wir wollen daher schon jetzt ein paar gemeinsame Standpunkte festhalten, die dem Prozess als Leitplanken dienen sollen.

Erstens: Wir sind uns einig, dass wir keinen rein theoretischen Klärungsprozess wollen, sondern diesen mit einem praktischen Aufbauprozess verbinden wollen. Wir werden uns im Klärungsprozess theoretisch mit kommunistischer Praxis beschäftigen, um daraus unsere Praxis zu analysieren und neue Konzepte für diese – und den Aufbau klassenorientierter Massenorganisationen und Bewegungen – abzuleiten.

Zweitens: Wir lehnen die verschiedenen Spielarten des Opportunismus und Revisionismus wie zum Beispiel den Trotzkismus und Maoismus ab. Deren Form, Wesen und Funktion wollen wir in Zukunft näher analysieren. Wir wenden uns gegen alle ideologischen Konzepte, die die Rolle der Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt, der Kommunistischen Partei als Avantgarde derselben und die Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats als einzig mögliche Form des Übergangs zur klassenlosen Gesellschaft verneinen. Wir betrachten den demokratischen Zentralismus als das notwendige Organisationsprinzip der Revolutionäre und lehnen Fraktionierung wie auch entristische Unterwanderung ab. Ferner betrachten wir es als eine Notwendigkeit, dass die Kommunistische Partei in der Lage ist, sämtliche Kampfformen anzuwenden. Die Errungenschaften der bisherigen sozialistischen Revolutionen sind feste Bezugspunkte unserer Arbeit. Wir wenden uns gegen Positionen, die den real existierenden Sozialismus ablehnen und der Sowjetunion feindlich gegenüberstehen und sie beispielsweise als „sozialimperialistisch“ oder  „staatskapitalistisch“ verunglimpfen. Den antikommunistischen Kampfbegriff des „Stalinismus“ lehnen wir ab.

Drittens: Ein entscheidender Grund für den Beginn des Klärungsprozesses ist die Ablehnung der Strategie der „antimonopolistischen Übergänge“ oder ähnlicher Vorstellungen einer „demokratischen Zwischenetappe“ zum Sozialismus. Wir sind im Gegensatz dazu der Auffassung, dass der Sozialismus nicht über Zwischenetappen erkämpft werden kann, sondern die sozialistische Revolution bereits heute unmittelbar als nächstes strategisches Ziel gesetzt werden muss. Die Vorstellungen auf dem Weg der Reformen den Kapitalismus überwinden zu können, hat sich schmerzlich als gefährlicher Opportunismus herausgestellt. Kämpfe zur Verbesserung der Lebenslage sind für uns ein Mittel die Massen zu organisieren und Klassenbewusstsein zu verbreiten, aber kein Selbstzweck.

Viertens: Wir vertreten die Einschätzung, dass die Sozialdemokratie in der Arbeiterbewegung die Funktion inne hat, revolutionäre Potentiale in Richtung einer Systemintegration umzuleiten. Ihr ideologischer und institutioneller Einfluss und daraus folgend ihre systemstabilisierende, also konterrevolutionäre Rolle bestimmt unsere unversöhnliche Haltung ihr gegenüber.

Fünftens: Wir vertreten die Einschätzung, dass ein solcher Klärungsprozess nicht innerhalb der bestehenden Organisationen organisiert werden kann und sich daher eine davon unabhängige Form suchen muss.

5 Gedanken zu „Unser Selbstverständnis

  1. Freute mich schon über einen möglichen revolutionären Aufbruch, Diskussion mit anderen GenossInnen und schonungslose aber solidarische gegenseitige Kritik. Deshalb verstehe ich nicht und halte es auch für politisch falsch, dass ihr in diesem kurzen Selbstverständnis bereits taktische (!) Fragen vorentscheidet (Entrismus, Fraktionsverbot, Ablehnung der Einheitsfronttaktik gegenüber bürgerlichen ArbeiterInnenparteien etc.). Wie soll es denn so zu einem Klärungsprozess kommen, bei dem „eine kritische Infragestellung alter Konzepte“ möglich ist?

    Hätte es nicht gereicht, festzuhalten, dass man sich „gegen alle ideologischen Konzepte [wendet], die die Rolle der Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt, der Kommunistischen Partei als Avantgarde derselben und die Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats als einzig mögliche Form des Übergangs zur klassenlosen Gesellschaft verneinen“, um die meisten RevisionistInnen und OpportunistInnen fernzuhalten?

    Könnt ihr dieses Vorgehen politisch begründen? Warum wurden diese taktischen Fragen bereits zu Beginn dieses „Klärungsprozesses“ in das Selbstverständnis aufgenommen?

    Meine Hoffnung, auch mit GenossInnen in eine Diskussion zu kommen, die nicht ohnehin bereits in allen taktischen Fragen mit mir übereinstimmen, wird dadurch ziemlich gedämpft – und es scheint mir, als ob ihr euch über den Charakter eures Projekts selbst betrügt, wenn ihr zum einen von einem offenen kommunistischen Klärungsprozess sprecht, aber im gleichen Moment erst mal alle KommunistInnen, die nicht bereits in allen taktischen Fragen mit euch übereinstimmen, von der Teilnahme und von Entscheidungen bezüglich dieses Projekts ausgrenzt.

  2. Findet ihr es darüber hinaus nicht etwas widersprüchlich, dass ihr ausgerechnet auf jenen konsequenten Revolutionär und Theoretiker schimpft, der schon in den 30er Jahren die Volksfront-Politik ablehnte und die Vorstellung eines ‚anti-monopolistischen‘ Bündnisses auf schärfste kritisierte: nämlich Leo Trotzki (siehe z.B. seine Schrift: „Die Volksfront und die Aktionskomitees“ von 1935)?

    „Die „antimonopolistische“ Bewegung

    Die Methode hinter der Überschrift und die daraus resultierende Taktik stellen eine der entscheidenden Deformationen des wissenschaftlichen Sozialismus durch den Stalinismus dar. Zu dieser Methode (der Volksfront) schreibt die DKP:

    „Im Parteiprogramm der DKP haben wir hervorgehoben, dass der Weg, antimonopolistische Forderungen durchzusetzen, antikapitalistische Positionen mehrheitsfähig und durchsetzungsfähig zu gestalten, nicht einfach und geradlinig ist, sondern einen langen Arbeits- und Kampfprozess erfordert.“ (16)

    Und weiter: „Aktionseinheits- und Bündnispolitik, die Schaffung von gesellschaftlichen Allianzen verlangt von uns die kreative politische Anwendung der Erkenntnisse des wissenschaftlichen Sozialismus, die Fähigkeit des Zuhörens und das Auseinandersetzen mit anderen Positionen, aber auch die Fähigkeit von anderen zu lernen.“ (17)

    Wenn wir die Volksfront-Taktik als klassenübergreifend bezeichnen, so wird das hier besonders im Begriff „antimonopolistisch“ deutlich. Dadurch sollen möglichst breite Teile des Kleinbürgertums wie auch nicht-monopolistische Kapitale für die antikapitalistische Bewegung gewonnen werden. Schließlich presst das Monopolkapital auch aus diesen Schichten Profit, so dass nach stalinistischer Vorstellung diese Schichten auch ein gemeinsames Interessen am „anti-monopolistischen“ Kampf gegen das Proletariat teilen würden.

    Dieser Taktik folgend, erlitt die Arbeiterklasse weltweit stets große Niederlagen, welche hier darzustellen zu viel Raum einnehmen würde. Aber beispielhaft soll hier an den gescheiterten Kampf gegen den Faschismus in den 1930ern erinnert werden, insbesondere an die Ergebnisse der Volksfrontpolitik in Frankreich und Spanien.

    Natürlich wird es für das Proletariat in einer revolutionären Situation wichtig, wie das Kleinbürgertum, die Mittelschichten reagieren. Deswegen sollte die revolutionäre Partei auch stets ein Programm entwickeln, welches möglichst breite Teile des Kleinbürgertums integrieren kann.

    Doch das Angebot der Volksfront à la DKP ist gleichzusetzen mit der Preisgabe des politischen Kampfes in einem Bündnis – des Kampfes um die politisch-revolutionäre Führung, während die persönliche, postenbezogene Führung durchaus erreicht werden mag. Die DKP sucht stets das „Einende“. Diesem „Minimal-Konsens“ wird dann fast jede politische Kritik geopfert – mehr noch: die gesamte Ausrichtung und die Aktionsmethoden werden auf eine harmlose und für den Klassengegner letztlich ungefährliche Richtung justiert.

    Statt Blockaden, Streiks u.a. wirksamen Aktionen gibt es nur Demonstrationen und symbolische Aktionen. Statt der Orientierung auf die Arbeiterklasse, die zu gewinnen unumgänglich ist, um eine quantitativ starke Bewegung zu formieren, die auch die Kraft hat, Streiks und Blockaden überhaupt durchzuführen, passt man sich dem Kleinbürgertum und den Mittelschichten an. Das Fatale dabei ist, dass selbst dort, wo die DKP eine führende Rolle in der Bewegung spielt, sie auch keine andere Politik vorschlägt oder umsetzt als attac oder die Grünen.

    In der Praxis ist die DKP in diesen Bewegungen nicht bemerkbar. Die GenossenInnen treten allein im Namen der Bewegung auf, schützen kleinbürgerliche und reformistische Positionen und agieren als deren Anhängsel.

    Zuletzt war dies auch bei den Protesten gegen S21 sichtbar. Als „antikapitalistische Plattform“ (zusammen mit autonomen, libertären Kräften) wollten sie nicht nach außen auftreten. Stattdessen waren sie brav im K21-Bündnis unter ihrem ehemaligen Genossen und nun-mehrigen Sprecher der GegnerInnen von Stuttgart 21, Stocker, aktiv und traten nicht in Opposition zu den Grünen, welche die Bewegung mit der Schlichtung demobilisierten.

    Ihre Praxis und ihr Programm verdeutlichen, wie weit die DKP von einer kommunistischen Politik entfernt ist, wie dominant reformistische und kleinbürgerliche Vorstellungen sind. Wie und warum KommunistInnen in Bündnisse gehen und welche Politik sie dort verfolgen sollten, wollen wir hier kurz anhand von Zitaten aus Beschlüssen der Komintern zwischen dem 3. und 4. Weltkongress darlegen:

    „Das Problem der Einheitsfront ergibt sich aus der Notwendigkeit, ungeachtet der aktuell unvermeidlichen Spaltung der politischen Organisationen, die sich auf die Arbeiterklasse stützen, dieser die Möglichkeit der Einheitsfront im Kampfe gegen die Kapitalisten zu sichern. Wer diese Aufgabe nicht begreift, für den ist die Partei eine Propagandagesellschaft und nicht eine Organisation der Massenaktionen (…)

    Hätte die Kommunistische Partei nicht radikal und unwiderruflich mit der Sozialdemokratie gebrochen, so wäre sie niemals zur Partei der proletarischen Revolution geworden. Würde die Kommunistische Partei nicht nach organisatorischen Wegen suchen, um in jeder Situation aufeinander abgestimmte, gemeinsame Aktionen der kommunistischen und nichtkommunistischen (darunter auch sozialdemokratischen) Arbeitermassen zu ermöglichen, so würde sie damit nur ihre Unfähigkeit offenbaren, auf Grund von Massenaktionen die Mehrheit der Arbeiterklasse zu erobern.“ (18)

    Und weiter: „Wir haben, abgesehen von allen anderen Erwägungen, das Interesse, die Reformisten aus ihren Zufluchtsstätten herauszuholen und sie neben uns vor der kämpfenden Masse aufzustellen. Bei richtiger Taktik können wir dabei nur gewinnen. Der Kommunist, der davor zaudert oder sich fürchtet, ähnelt einem Schwimmer, der Thesen über die beste Schwimmtechnik akzeptiert, aber nicht riskiert, sich ins Wasser zu stürzen. Indem wir mit den übrigen Organisationen ein Abkommen treffen, erlegen wir uns selbstverständlich eine gewisse Aktionsdisziplin auf. Doch kann es hier keine absolute Disziplin geben. In dem Augenblick, da die Reformisten den Kampf zum Schaden der Bewegung oder im Gegensatz zur Lage und zur Stimmung der Massen zu bremsen beginnen, wahren wir uns als unabhängige Organisation stets das Recht, den Kampf bis zum Ende und ohne unsere zeitweiligen Halbverbündeten zu führen.“ (19).

    Wenn wir beim letzten Bild verweilen, so müssen wir heute feststellen, dass die Volksfront-Methode es geschafft hat, den Schwimmer in die Wüste zu stellen. Diese leninistische Begründung der Einheitsfront zeigt nochmals deutlich auf, was eine kommunistische Partei zu tun hat – den politischen Gegner innerhalb der Klasse zu schlagen und die Masse für ein revolutionäres Programm zu gewinnen – wozu sonst wäre sie auch da?!“ (http://www.arbeitermacht.de/rm/rm43/dkp.htm)

  3. Lieber Michael,
    Meines Erachtens handelt es sich bei den von dir genannten Fragen nicht einfach um taktische Fragen, sondern um sehr weitgehende Punkte von strategischer Relevanz. Die Bündnisfrage, zu der die Frage der „Einheitsfront“ mit der Sozialdemokratie auch gehört, ist grundsätzlich erst mal auf strategischer Frage zu beantworten. Das Fraktionsverbot ist ein Grundsatz des demokratischen Zentralismus und damit eines leninistischen Organisationskonzepts überhaupt, ähnlich die Ablehnung des Entrismus.
    Es ist m.E. eben ein Missverständnis unseres Klärungsprozesses, dass es hier darum geht, alle möglichen Fragen von Grund auf neu zu diskutieren, wobei das Ergebnis dieses Prozesses dann völlig offen wäre. Das haben wir in unserer Erläuterung zum Selbstverständnis ja auch begründet. Wenn du dich z.B. an der Abgrenzung vom Trotzkismus stößt oder den unwissenschaftlichen antikommunistischen Begriff des „Stalinismus“ benutzen möchtest, kann man darüber gerne inhaltlich diskutieren, aber das heißt dann wohl erst mal auch, dass dieser Prozess nicht dein Prozess sein kann, zumindest so lange du diese Kritik aufrecht erhältst. Wie gesagt, einer Diskussion steht das nicht entgegen. Ich frage mich aber auch, wonach du auf der Suche bist, da du mit der Gruppe Arbeitermacht deine Organisation ja bereits gefunden zu haben scheinst. Kann es nicht sein, dass eher bei dir die „Offenheit“ der Diskussion, die du hier vorgaukelst, nicht ganz den Tatsachen entspricht?
    Wir sind dagegen in Bezug auf diese Frage glasklar: Offen ist der Prozess in Bezug auf eine ganze Menge Fragen, aber wir geben nicht vor, aus dem politischen Nichts zu kommen und nicht bereits gewisse grundlegende Erkenntnisse gewonnen zu haben.
    Ansonsten sehe ich wenig Anlass, hier über die DKP zu diskutieren. Wenn du Kritik an deren Politik hast, richte sie doch besser an die DKP selbst als an uns.
    Warum Trotzki und der Trotzkismus abzulehnende politische Strömungen sind, haben ich und Rudy Vermelho ja in einem separaten Text kurz zu begründen versucht, daher will ich das hier nicht kommentieren.

  4. Ich stimme Dir zu, dass ein kommunistischer Klärungsprozess sinnvollerweise nicht beliebig und offen für alle(s) sein kann. Deshalb hätte ich es verstanden, wenn ihr die Frage der revolutionären Strategie als Kriterium einer möglichen Beteiligung gesetzt hättet, d.h. „alle ideologischen Konzepte, die die Rolle der Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt, der Kommunistischen Partei als Avantgarde derselben und die Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats als einzig mögliche Form des Übergangs zur klassenlosen Gesellschaft verneinen“ von vornherein abgelehnt hättet. Denn das sind in der Tat zentrale Fragen einer revolutionär-kommunistischen Strategie.

    Dass darüber hinaus aber auch taktische Fragen verbindlich geklärt werden (und die Frage des Entrismus, die Frage des Fraktionsverbots und auch die Frage der Einheitsfront sind taktische Fragen, denn sie beziehen sich auf die notwendigen Mittel, um das strategische Ziel, die Errichtung der Diktatur des Proletariats, zu erreichen), noch bevor dieser Klärungsprozess bereits zu irgendwelchen konkreten politischen Fragen eine verbindliche Diskussion geführt hat, halte ich, kurz gesagt, für abstrakt und sektiererisch.

    Dieselbe Funktion erfüllt meinem Verständnis nach auch die Ablehnung des ‚Trotzkismus‘ und ‚Maosimus‘, von denen man sich zwar offensichtlich noch keinen Begriff gemacht hat („Deren Form, Wesen und Funktion wollen wir in Zukunft näher analysieren“), die man aber schon mal präventiv ablehnt.

    Die Begründung eurer Ablehnung des ‚Trotzkismus‘, die ihr in dem Artikel zur „Notwendigen Abgrenzung …“ nachgeliefert habt, lässt angesichts der vielen falschen Behauptungen und Verleumdungen ebenfalls nicht auf ein ernsthaftes Interesse an einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung zu diesem Thema schließen.

    Sicher hat jeder, der an diesem Klärungsprozess teilnimmt, schon länger Politik gemacht und spezifische Erfahrungen gesammelt. Ich vermute, dass sich dies bei den TeilnehmerInnen des Klärungsprozesses vor allem auf die Politik, d.h. den Opportunismus der DKP bezieht. Meine Vermutung ist, dass der Opportunismus der DKP auch der Grund für den entgegengesetzten politischen Fehler ist (Sektierertum), den ihr nach meinem Verständnis bei der Frage des Umgangs mit bürgerlichen ArbeiterInnenparteien begeht. Dies lese ich jedenfalls aus dem Teil eures Selbstverständnisses heraus, in dem ihr eure Haltung der SPD gegenüber als ‚unversöhnlich‘ beschreibt. Dies scheint mir auf eine prinzipielle Ablehnung der Einheitsfronttaktik gegenüber bürgerlichen ArbeiterInnenparteien hinauszulaufen, was ich für einen schwerwiegenden politischen Fehler hielte.

    Wir scheinen aber ohnehin einen unterschiedlichen Begriff der Einheitsfronttaktik zu haben. Nach meinem Verständnis dient diese dem Ziel, den Einfluss der reformistischen Führung auf die Klasse zu brechen. Die Einheitsfront ist keine Strategie, sondern eine Taktik, oder, genauer, eine ganze Kategorie von Taktiken innerhalb der Gesamtstrategie des Proletariats. Bei der Anwendung dieser oder jener Form der Einheitsfront müssen Revolutionäre diese Gesamtstrategie im Auge behalten: die Erringung der Staatsmacht durch Räte und Milizen der Arbeiter und Bauern sowie die Schaffung einer weltweiten kommunistischen Gesellschaft mit den Mitteln der proletarischen Revolution. Dafür ist eine unabhängige revolutionäre Partei eine unabdingbare Notwendigkeit. Nur eine solche Partei kann die vollständige Unabhängigkeit der Arbeiterklasse von der Bourgeoisie verkörpern und das Proletariat im Kampf für seine eigene Diktatur führen. Es kann deshalb selbstverständlich kein ’strategisches Bündnis‘ mit diesen Parteien geben.

    Wonach ich suche?

    Wie Du richtigerweise feststellst, bin ich Teil der Gruppe ArbeiterInnenmacht. Wir verstehen uns als revolutionär-kommunistische Organisation und befinden uns in Deutschland derzeit im Stadium einer kleinen kämpfenden Propagandagruppe. Als Mitglied mache ich deshalb zunächst einmal nichts anderes, als unsere Theorie-Praxis umzusetzen:

    „Revolutionäre lassen sich in jedem Stadium des Parteiaufbaus von der Suche nach einem politischen Betätigungsfeld leiten. […] Theoretische Arbeit und Propaganda für den Marxismus und sein Programm sind ein unauflöslicher Bestandteil des Klassenkampfs. Sie gegenüber „praktischer Arbeit“, Agitation, gewerkschaftlichem oder direktem politischen Massenkampf negativ zu bewerten, ist ein Zeichen von Kleinbürgerlichkeit und Opportunismus. Diese Arbeit ist wesentlich in allen Etappen des Parteiaufbaus.“ (http://www.arbeitermacht.de/rm/rm43/stadiendesparteiaufbaus.htm)

    Selbstverständlich geht es mir dabei darum, möglichst viele entschlossene KommunistInnen für unser revolutionäres Programm zu gewinnen. Ich halte es durchaus für notwendig und legitim, mich auch an Diskussionen anderer Gruppen zu beteiligen. Da ihr in eurem Selbstverständnis geschrieben habt, dass die Mitgliedschaft in einer anderen Organisation hierfür kein Hindernis ist, hatte ich gehofft, mich an diesem Klärungsprozess beteiligen zu können.

    Die ‚Offenheit‘ einer Diskussion besteht für mich dabei nicht darin, von meinem Gegenüber zu verlangen, seinen politischen Standpunkt aufzugeben, noch bevor wir in eine Diskussion kommen können; sondern darin, ehrlich zu argumentieren und auf die Argumente meines Gegenübers auch einzugehen – sie besteht definitiv nicht darin, einfach irgendwelche Behauptungen aufzustellen und vollkommen abstrakt bleibende taktische Leitlinien festzusetzen, die mein Gegenüber entweder akzeptieren kann oder nicht.

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